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Rennberichte > September 2026
WHOOP UCI MOUNTAIN BIKE WORLD SERIES - Saisonfinale an den olympischen Sportstätten von Lake Placid: Titelkämpfe noch offen

Noch sind zahlreiche Entscheidungen offen, wenn die weltbesten Mountainbikerinnen und Mountainbiker zum Finale der WHOOP UCI Mountain Bike World Series 2026 an die olympischen Sportstätten von Lake Placid im US-Bundesstaat New York reisen. Wenn die vorletzten Rennen des UCI-Cross-Country- und UCI-Downhill-Weltcups ein Vorgeschmack waren, erwartet uns an diesem Wochenende ein nervenaufreibendes Finale in Lake Placid. Zum zweiten Mal in Folge gastiert dort neben den Cross-Country-Disziplinen auch der UCI-Downhill-Weltcup.

Für die heimischen Fahrer könnte der Austragungsort zudem ein gutes Omen sein. 2025 sicherte sich Christopher Blevins (Specialized Factory Racing) hier die Gesamttitel im UCI-Cross-Country-Olympic-Weltcup (XCO) und im UCI-Cross-Country-Shorttrack-Weltcup (XCC). Kann Asa Vermette (Frameworks Racing/TRP), der Führende der Elite-Männer im UCI-Downhill-Weltcup, an diesem Wochenende nachziehen?

Ein würdiges Saisonfinale
Lake Placid liegt rund 460 Kilometer nördlich von Manhattan und nur einen Steinwurf von der kanadischen Grenze entfernt. Der Ort ist vor allem für Wintersport bekannt, verfügt aber über ein wachsendes Netz an Geländestrecken rund um den Mt Van Hoevenberg und den Whiteface Mountain, die sich bestens zum Mountainbiken eignen. Am Mt Van Hoevenberg befindet sich die Cross-Country-Strecke. Sie bietet zahlreiche Steinfelder, einen Slalomabschnitt und eine Passage, die der olympischen Bobbahn des Austragungsorts nachempfunden ist. Am Whiteface Mountain liegt dagegen die Downhill-Strecke. Der rund zwei Kilometer lange, maschinell angelegte Kurs ist gespickt mit steilen, technisch anspruchsvollen Abschnitten. Wer hier gewinnen will, braucht präzise Radbeherrschung und furchtlose Entschlossenheit.

Rissveds hat es in der Hand – doch der XCO-Titelkampf ist noch offen
Jenny Rissveds (Canyon XC Racing) hat an diesem Wochenende die besten Voraussetzungen, sich den XCO-Gesamttitel der Elite-Frauen zu sichern. Die Schwedin führt mit 220 Punkten Vorsprung auf ihre ärgste Verfolgerin Sina Frei (Specialized Factory Racing), während noch maximal 330 Punkte zu vergeben sind. Die Olympiasiegerin von 2016 könnte bereits im XCC am Freitag ihren ersten Gesamttitel und zugleich den ersten für ihr Heimatland perfekt machen. Dafür muss sie 30 Punkte mehr als Frei holen, um ihren Vorsprung uneinholbar auszubauen. Doch die letzte Cross-Country-Weltcup-Runde in Soldier Hollow, Midway, Utah, hat gezeigt, dass die Entscheidung keineswegs vorweggenommen ist. Dort musste sich Rissveds sowohl im XCO als auch im XCC hinter Frei einreihen. Sollte die Fahrerin von Canyon XC Racing ein schwaches Shorttrack-Rennen erwischen, fällt die Entscheidung erst im letzten Rennen der Saison. Die Vergangenheit spricht allerdings für sie: 2025 gewann Rissveds in Lake Placid sowohl das XCO als auch das XCC. Frei ist zwar die einzige Fahrerin, die Rissveds rechnerisch noch im Titelkampf abfangen kann, doch ihr eigener zweiter Gesamtrang ist ebenfalls noch nicht gesichert. Martina Berta (Origine Racing Division), die in Soldier Hollow sowohl das XCO als auch das XCC gewann, liegt weniger als 200 Punkte hinter der Schweizerin.

Martin außer Reichweite – Riley führt den Kampf um Platz drei an
Luca Martin (Cannondale Factory Racing) steht vor seinem ersten XCO-Weltcup-Gesamttitel. Entscheidend ist dabei auch, dass Adrien Boichis (Specialized Factory Racing) zum Saisonende in den Straßenradsport gewechselt ist. Der Erfolg des Franzosen wäre allerdings keineswegs ein Zufallsprodukt: Martin gehörte bei den XCO-Weltcups dieser Saison konstant zu den Besten. Unter anderem gelangen ihm fünf Podestplätze in Folge, darunter zwei Siege.

Beim Saisonabschluss am Sonntag steht dennoch viel auf dem Spiel. Björn Riley (SCOTT-SRAM MTB Race Team) führt den Kampf um den letzten Podestplatz der Gesamtwertung an. Der US-Amerikaner kann die Punktzahl des zweitplatzierten Boichis zwar nicht mehr übertreffen, sein eigener dritter Rang ist aber noch nicht gesichert. Neun Fahrer haben rechnerisch weiterhin Chancen auf diese Position. Mit einer starken Leistung vor heimischem Publikum könnte Riley den dritten Gesamtrang sichern. Doch Martin Vidaurre Kossmann (Specialized Factory Racing), der XCO-Sieger von Soldier Hollow, liegt nur 62 Punkte zurück. Simone Avondetto (Wilier-Vittoria Factory Team) hat 101 Punkte Rückstand. Riley hat also noch einiges zu tun.

Frei klare Favoritin – nur Azzaro kann Martin noch gefährden
In der XCC-Gesamtwertung der Elite-Frauen sind die Rollen umgekehrt: Hier hat Frei die Kontrolle, während Rissveds die Verfolgerin ist. Bei einem Vorsprung von 100 Punkten genügt Frei ein Podestplatz, um den Titel zu gewinnen. Rissveds’ beste Chance besteht darin, selbst zu gewinnen und darauf zu hoffen, dass Frei höchstens Vierte wird. In dieser XCC-Saison führt Frei mit drei Siegen gegenüber zwei Erfolgen von Rissveds. Die Schwedin ist mit insgesamt zehn XCC-Weltcupsiegen allerdings die erfolgreichste Elite-Fahrerin dieser Disziplin. Bei den Elite-Männern ist der Abstand noch geringer: 96 Punkte trennen Spitzenreiter Martin von seinem nächsten an diesem Wochenende startenden Verfolger Mathis Azzaro (Origine Racing Division). Die Ausgangslage entspricht der bei den Frauen: Martin benötigt einen Platz unter den ersten drei, um den Gesamtsieg zu sichern. Azzaro muss gewinnen und darauf hoffen, dass sein Landsmann das Podium verpasst. Die Dynamik im Titelkampf ist jedoch eine andere. Martin hat in dieser Saison noch kein XCC gewonnen, stand aber bereits fünfmal auf dem Podium – zuletzt mit zwei zweiten Plätzen in Folge. Azzaro startete mit zwei Siegen hintereinander in die Saison, hatte anschließend jedoch mit Pech zu kämpfen. Erst zuletzt ließ er seine Form vom Saisonbeginn wieder aufblitzen und wurde vor zwei Wochen Vierter. Eines ist sicher: Zwischen den beiden ist ein packendes Duell mit direkten Positionskämpfen vom Start weg zu erwarten.

Höll will mit den Größten gleichziehen
Für Valentina Höll (Commencal Schwalbe by Les Orres) war der Sieg im Whistler Mountain Bike Park in Kanada bereits der sechste Saisonerfolg. Die 24-jährige Österreicherin hatte den Downhill-Gesamttitel schon vor ihrem Start sicher. Dass sie auch dann weiter unbedingt gewinnen will, wenn es allein um den einzelnen Rennerfolg geht, zeigt, warum sie bereits zu den ganz Großen des Sports gezählt wird. Mit einem siebten Saisonsieg in Lake Placid würde sie den Rekord von Anne-Caroline Chausson (1999) und Rachel Atherton (2026) für die meisten Siege innerhalb einer Saison einstellen. Gleichzeitig würde Höll in der ewigen Bestenliste der Weltcupsiegerinnen allein auf Platz drei vorrücken. Mit ihrem 17. Elite-Sieg in Kanada hatte sie bereits mit Sabrina Jonnier gleichgezogen. Doch die Elite-Konkurrenz hat weit mehr als nur Höll zu bieten. Dass sie bei diesem starken Teilnehmerfeld derart dominieren kann, macht ihre Leistungen umso beeindruckender.

Wie hoch die Leistungsdichte ist, zeigt der Kampf um den zweiten Gesamtrang, auf den noch sechs Fahrerinnen Chancen haben. Gloria Scarsi (MS-Racing) führt die Verfolgergruppe derzeit an. Harriet Harnden von AON Racing und Gracey Hemstreet von Norco X adidas Race Division sitzen der Italienerin jedoch dicht im Nacken. Selbst die aktuell siebtplatzierte Marine Cabirou (Canyon DH Racing) hat rechnerisch noch Chancen. Es gibt verschiedene mögliche Konstellationen. Voraussichtlich wird aber diejenige von Scarsi, Harnden und Hemstreet, die am Samstag am besten abschneidet, die Saison 2026 als Zweite des Downhill-Gesamtweltcups beenden.

Vorteil Vermette im Dreikampf um den Titel
Da beim Saisonfinale keine Qualifikationspunkte vergeben werden und der Sieger des Finallaufs in Lake Placid 250 Punkte erhält, läuft alles auf einen direkten Showdown zwischen Asa Vermette (Frameworks Racing/TRP), Jordan Williams (Specialized Gravity) und Amaury Pierron (COMMENCAL/MUC-OFF by Riding Addiction) hinaus. Mit seinem Sieg in Whistler verdrängte Weltcup-Neuling Vermette Williams von der Spitze. Zwischen den beiden liegen 96 Punkte. Damit reicht dem 19-jährigen US-Amerikaner unabhängig vom Ergebnis seines Rivalen ein vierter Platz zum Gesamtsieg. Williams hat die besten Chancen auf eine dramatische Wende im Titelkampf, wenn er seinen dritten Saisonsieg einfährt und Vermette höchstens Fünfter wird. Pierron ist dagegen klarer Außenseiter. Der zweimalige Downhill-Gesamtweltcupsieger kann jedoch auf seine Erfahrung bauen. Für seinen dritten Titel müsste der Franzose erstmals in diesem Jahr gewinnen. Gleichzeitig dürfte Williams höchstens Vierter und Vermette höchstens Zehnter werden. Abschreiben sollte man Pierron jedenfalls noch nicht.

Wildcard-Teams überzeugen weiterhin
Zahlreiche Wildcard-Teams werden in Lake Placid an den Start gehen und wollen an ihre starken Leistungen aus den vergangenen Cross-Country- und Downhill-Rennen anknüpfen.

Cross-Country:
Bike Team Solothurn, KTM Factory Team, Lexware Mountainbike Team, MASSI, SUNN Factory Racing, Thomus Akros Youngstars und UNNO Factory Racing.

Downhill:
Outlaw INTENSE Racing, Crestline Speedshop, Team High Country, Pivot Factory Racing, The Alliance Racing und Stoic Racing.

In den vergangenen Wochen erzielten die Wildcard-Starter sowohl in den Ausdauer- als auch in den Gravity-Disziplinen mehrere beachtliche Ergebnisse. In Soldier Hollow gewann Nicholas Halter (Thömus Akros – Youngstars) das XCC-Weltcuprennen der U23-Männer. Mathis Guay (KTM Factory Racing) belegte im XCC der Elite-Männer Platz 13. Auch im olympischen Format gab es Erfolge: Fiona Schibler (Bike Team Solothurn) wurde Vierte bei den U23-Frauen, Giada Specia (KTM Factory Racing) belegte Rang 15 bei den Elite-Frauen. Beim Downhill-Weltcup in Whistler erreichte Jenna Hastings (Pivot Factory Racing) zum dritten Mal in Folge das Finale der Elite-Frauen und wurde 13. Bei den Elite-Männern stellten Bode Burke und Alden Pate von Crestline Speedshop sowie Jackson Connelly von The Alliance zusammen zehn Prozent des Finalfeldes. Das Trio belegte die Plätze 22, 24 und 28.

Das Rennwochenende an den olympischen Sportstätten von Lake Placid im US-Bundesstaat New York beginnt am Freitag, dem 2. Oktober, mit dem UCI-Cross-Country-Shorttrack-Weltcup.

Fotos: ©️ WHOOP UCI Mountain Bike World Series

Weitere Informationen unter ucimtbworldseries.com

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