Das Lexware Mountainbike Team beim HC-Rennen in Banyoles (Spanien) und einem Wettkampf in Costa Rica - Hölle und Himmel in 24 Stunden
Paul Schehl vom Lexware Mountainbike Team wird beim U23-Rennen in Banyoles (Spanien) vom Führungsmotorrad behindert und muss wegen eines Defekts aufgeben - tags darauf fährt er bei den Männern als Neunter in die Weltelite
"Ich freue mich auf die nächsten Wettkämpfe", hatte Paul Schehl (Archivfoto oben/staronphoto@) vom Lexware Mountainbike Team nach dem zweiten Platz beim Saisoneinstieg eine Woche zuvor in Chelva (Spanien) gesagt. Gute Rennen machen Lust auf mehr, klar, bis ins Letzte planbar sind sie aber nicht. Weil im Mountainbikesport ein paar Unwägbarkeiten eine nicht unbedeutende Rolle spielen können: Der harte Ritt durchs Gelände strapaziert das Material und ist defektanfällig; Wurzeln, Steine, schmieriger Untergrund und das hohe Tempo gefährden zudem die Balance auf zwei Rädern, die nicht selten kippt - und mit ihr Rad und Fahrer. Was jedoch Paul beim HC-Rennen ("hors catégorie") in Banyoles (Spanien) widerfahren ist, schreit nach Aufnahme in die Raritäten-Sammlung: Wie eine Woche zuvor in Chelva hatten sich der Spanier Thibaut Francois Baudry und der deutsche Meister im mehr als 100 Starter großen U23-Feld früh nach vorne abgesetzt. "Keiner konnte an uns dranbleiben. Wir waren richtig schnell unterwegs", sagt Paul, in der zweiten Runde sind die beiden in einer Abfahrt dann allerdings auf das Führungsmotorrad aufgefahren. "Dadurch mussten wir beide unsere Linie verlassen, wir bekamen mehr Druck, mehr Kompression aufs Rad. Bei Thibaut ist es gutgegangen, bei mir nicht", erzählt der 21-Jährige. Folge des erzwungenen Manövers: technischer Defekt, irreparabel, Aufgabe.
Nach Rücksprache mit dem Veranstalter wurde Paul einen Tag später als Entschädigung für das Eliterennen der Männer zugelassen. Und wow, was für eine überragende Performance ist dem Lexware-Mountainbiker in seinem ersten Kräftemessen mit MTB-Größen wie Viktor Koretzky (Frankreich/Silbermedaillengewinner von Paris) und Luca Schwarzbauer (Team Canyon/Short-Track-Weltcupsieger 2023) gelungen: Paul ist das Tempo der Topleute mitgegangen, nachdem er in der vierten Runde seinen Rückstand egalisiert und den Anschluss nach ganz vorne geschafft hatte. "Anfangs habe ich gedacht: Au, das wird eine 'toughe' Runde, weil einige vor mir haben reißen lassen. Das war nicht so gut", sagt Paul, "ich habe dann aber einen guten Rhythmus gefunden und konnte tatsächlich die Lücke zur Spitze wieder zufahren". Anschließend ist er in der Führungsgruppe mitgestrampelt, führte das Rennen kurzzeitig sogar an. In der vorletzten Runde verlor Paul nach Tempoverschärfungen ein paar Mal den Anschluss, kämpfte sich aber immer wieder heran. Der Emporkömmling aus der U23, der die Elite ganz schön lange gepiesackt hatte, verlor erst in der Schlussrunde entscheidend an Boden und beendete das Rennen auf Platz neun. Wow! "Das war ein a....geiles Rennen. Ich hatte richtig Spaß und bin megazufrieden", sagt Paul, "ich habe super viel gelernt, gerade auch mit Blick auf die nächste Saison". Denn dann wird aus dem Gast ein Dauerkonkurrent in der Eliteklasse der Männer.
Einmal Spanien und zurück: Noel Toth startet mit Rang 15 in Banyoles stark in seine zweite U23-Saison
Zweiter Lexware-Starter im großen U23-Feld von Banyoles war Noel Toth (Archivfoto unten/A. Küstenbrück). Der Schweizer geht in seine zweite U23-Saison, die erste war geprägt von reinschnuppern, Erfahrungen sammeln, dazulernen. Auf der Weiterentwicklung liegt der Fokus im zweiten Jahr. "Mir geht es top", lautete Noels Botschaft vor dem Wettkampf. Im Rennen konnte er sich von Runde zu Runde nach vorne abeiten, "ich hatte ein gutes Gefühl", sagt er. Im internationalen Feld der 97 Klassierten erkämpfte er sich den 15. Platz. "Fürs erste Rennen in dieser Saison bin ich zufrieden", sagt Noel, "ich freue mich jetzt auf die nächsten Aufgaben". Der 19-Jährige war eigens für den Wettkampf nach Spanien gereist, anschließend ging es umgehend wieder zurück in die Schweiz, wo er an diesem Montag wieder die Schulbank drückte.
Nicholas Konecny ist wieder gesund und befindet sich im Formaufbau
Nicholas Konecny ist derzeit mit der amerikanischen Nationalmannschaft in Lateinamerika unterwegs. In Costa Rica hat er an der Tropical MTB Challenge teilgenommen, einem Hors-Catégorie-Rennen (HC), abseits des Weltcups international die höchste Kategorie. "Ein sehr hartes Rennen. Ich war von Anfang am Limit und hatte keine guten Beine", schreibt der 19-Jährige aus Colorado, der für das Lexware Team in seine zweite U23-Saison geht. Im vergangenen Jahr war er beim Weltcup in Les Gets (Frankreich) heftig gestürzt und hatte sich zahlreiche Brüche im Hand- und Unterarmbereich zugezogen. Die Saison war für ihn gelaufen. Jetzt der Neustart: "Bei mir waren von Anfang an die Lichter aus", sagt Nicholas, der das U23-Rennen bei der Tropical MTB Challenge als 25. beendete. Eine Hoffnung hat er allerdings: "Dass sich die enormen Anstrengungen schon im nächsten Wettkampf an diesem Mittwoch positiv auswirken."
Das nächste Highlight:
Der Monte Ceneri ist am 21./22. März Schauplatz des ersten Rennens um den Swiss Bike Cup und befindet sich im Dreieck Lugano-Bellinzona-Locarno. Der 4,2 Kilometer lange Cross-Country-Rundkurs ("hors catégorie") ist einer der technisch anspruchsvollsten Strecken in der Schweiz und gefürchtet wegen seiner steilen, natürlichen Fels- und Stein-Sektionen. Die Rennen der Klasse U19 zählen zur UCI Junior Series.
Fotos: (c) Staron Photo
Weitere Informationen unter www.lexware-mountainbike-team.de