Das Lexware Mountainbike Team beim Swiss Bike Cup in der Schweiz und Pro Cup in den USA - Sina van Thiel und Elias Hückmann beenden Schlammschlacht im Tessin auf Rang zwölf - Nicholas Konecny gewinnt beim US Pro Cup in Fayetteville das U23-Rennen
Was für extreme Bedingungen! Am Tag vor dem ersten Cross-Country-Rennen um den Swiss Bike Cup in Rivera (Tessin) hat es kräftig geschüttet, die Offroad-Passagen am Monte Ceneri wurden dadurch zu Rutschbahnen. Die Pampe aus den Schlammlöchern legte sich auf alles: Mensch, Material und auf die zahlreichen Steinplatten, die dadurch spiegelglatt wurden. Zahlreiche Passagen waren fahrend nicht mehr zu meistern, runter vom Rad, Lauferei war angesagt. Das Matsch-Roulette beendeten Sina van Thiel (U23) und Elias Hückmann (Junioren/Foto oben) vom Lexware Mountainbike Team jeweils auf Rang zwölf. Eine gute und schlechte Nachricht kommt aus den USA, wo Nicholas Konecny vom Lexware Team beim US Pro Cup ein Cross-Country-Rennen der U23-Klasse gewonnen hatte, zwei Tage später an gleicher Stelle allerdings heftig stürzte und aufgeben musste.
"Wir sind bergauf gerannt und wir sind bergab gerannt"
Der 4,2 Kilometer lange Cross-Country Rundkurs am Monte Ceneri im Tessin ist einer der technisch anspruchsvollsten in der Schweiz und gefürchtet wegen der steilen, natürlichen Felspassagen. "Auf der Strecke geht es ganz schön zur Sache, die kennt keine Gnade", sagt Sina van Thiel ein paar Tage vor dem Rennen, "die Strecke ist sehr anstrengend. Die Bergauf-Passagen jagen den Puls in die Höhe und bergab muss man aufgrund der vielen Schwierigkeiten hellwach sein". Die 22-Jährige mag Strecken, "die mich ans Limit bringen".
Das war am Sonntag beim HC-Rennen in der Schweiz allerdings auf eine etwas andere Art und Weise als gedacht der Fall: Denn paart man eine schwierige Strecke mit extremen Bedingungen, wird es für alle zur Grenzerfahrung. "War das ein Scheiß", platzt es aus Sina nach dem Rennen heraus, "wir sind gefühlt 80 Prozent des Kurses gerannt. Wir sind bergauf gerannt und wir sind bergab gerannt". Wichtiger als der zwölfte Platz im U23er-Feld war für Sina van Thiel, "dass ich heil ins Ziel komme und am nächsten Sonntag zum Weltcup nach Brasilien fliegen kann." Vergangenes Jahr hatte sie den Weltcup-Auftakt in Südamerika verpasst, weil sie malad zu Hause lag. Elina Benoit und Antonia Weeger vom Lexware Mountainbike Team waren im U23-Rennen der Frauen in Rivera krankheitsbedingt nicht am Start.
Im U23-Wettkampf der Männer deutete der Schweizer Noel Toth, der neu im Lexware Team ist, seine Qualitäten an. Obwohl er sich gleich in der ersten Runde einen Platten einfing und eine halbe Runde bis zur Tech-Zone ohne Luft im Reifen überstehen musste, kämpfte er sich nach dem Laufrad-Wechsel von Rang 38 nach vorne. "Irgendwie kam ich aber nicht richtig in Schwung", klagt Noel, "ich mag auch die Verhältnisse mit Regen und Schlamm nicht so." In der letzten Runde hatte er abermals einen Raddefekt, sein erstes U23-Rennen beendete er dennoch bravourös auf dem 21. Platz. "Ganz okay" findet er das. Noel Toth war vierschnellster Starter des jüngsten U23-Jahrgangs.
"Eigentlich sind das die Bedigungen, die ich liebe: matschig, schmierig, kalt", sagt Emil Schmidt, "es war aber zu matschig, man musste den Großteil der Strecke laufen". Emil spürte er jeden Schritt, hatte Schmerzen, da er am Tag zvuor im Training auf die Hüfte gefallen war. Als in der dritten Runde ein weiterer Abgang vom Rad unsanft endete, eilten die Sanitäter herbei und wollten ihn aus dem Rennen nehmen. Der 18-Jährige setzte sich jedoch wieder in den Sattel: "Es war dann aber schwierig vom Kopf her noch einmal alles zu geben", sagt Emil, er wurde ein Opfer der 80-Prozent-Regel im U23-Rennen der Männer und wurde rausgenommen. Seine Platzierung weiß er nicht, er hat das Rennen schon abgehakt, "es war kein guter Tag", sagt er. In der Ergebnisliste wird er als 38. geführt.
Starke Premiere von Elias Hückmann
Elias Hückmann feierte ebenfalls Premiere: Erster Start in einem international gut besetzten Junioren-Rennen, das im Tessin zählt zur UCI Junior Series. Nach einem "nicht ganz optimalen Start" habe er gut ins Rennen gefunden und konnte sich von Startposition 38 bis auf den achten Platz nach vorne arbeiten. Er hielt sich lange unter den ersten zehn, erst in der letzten Runde verlor er aufgrund von Seitenstechen noch einige Positionen. "Der ständige Wechsel zwischen Fahren und Laufen machte mir zu schaffen. Einige Anstiege waren schlichtweg unfahrbar." Das "anstrengende Rennen bei schwierigen Bedigungen" beendete Elias als Zwölfter. "Für mein erstes gut besetztes Juniorenrennen bin ich damit mehr als zufrieden." Er war bester deutscher Starter und Drittschnellster des jüngeren 2008er-Jahrgangs.
Lexware-Teamkollege Ole Jan Riesterer blieb mit Rang 31 hinter den eigenen Erwartungen zurück. "Extrem viele Laufpassagen haben meine eigentlich gute Form gekillt", sagt Ole, "Rückenschmerzen und Atemprobleme haben mir es zudem erschwert, ein gutes Rennen zu machen".
Nicholas Konecny siegt und stürzt zwei Tage später
Der junge Amerikaner Nicholas Konecny, der seit dieser Saison für das Lexware Mountainbike Team startet, hat seinen ersten Saisonsieg eingefahren. Beim Cross-Country-Rennen in Fayetteville im US-Bundestaat North Carolina gewann der 18-Jährige das U23-Rennen mit einer halben Minute Vorsprung. "Ich hatte einen sehr guten Start und war von Anfang an in der Spitzengruppe dabei", erzählt Nicholas. Auch anschließend entwickelte sich das Renngeschehen für den WM-Vierten der Junioren 2024 positiv: Als der Elitestarter Riley Amos zur U23-Spitzengruppe auffuhr, klemmte sich Nicholas an sein Hinterrad. "Er hat mich zum Sieg gezogen", sagt Nicholas, "es war ein sehr solides Rennen und eine gute Leistung von mir, ich bin super happy". Das Rennen, das zum US Pro Cup zählt, war aufgrund heftiger Winde und Wetterwarnungen um einen Tag verschoben worden. Beim zweiten Cross-Country-Rennen in Fayetteville zwei Tage danach stürzte Nicholas heftig: "I crashed hard." Mit etlichen offenen Blessuren vor allem am Knie gab er das Rennen auf und ließ sich im Krankenhaus untersuchen. Alle Daten sind noch nicht ausgewertet, bisher wurden aber keine ernsthaften Verletzungen festgestellt. "Feeling fine now", schreibt Nicholas.
Die nächsten Highlights:
Am Sonntag, 30. März, wird in Obergessertshausen in Landkreis Günzburg das erste Cross-Country-Bundesligarennen der Saison ausgetragen. Die Rennen der Nachwuchsklassen beginnen am Sonntagmorgen um 8 Uhr, Start der Frauen ist um 14.15 Uhr, die Männer sind um 16.30 Uhr dran. Am gleicher Stelle findet am Samstag und Sonntag ebenfalls eine Nachwuchssichtung mit Slalom und XCO-Rennen statt. In Araxa (Brasilien), wo vom 3. bis 6 April der erste Weltcup der Saison ausgetragen wird, findet am letzten März-Wochenende als Probelauf ein HC-Rennen statt.
Fotos: (c) Armin M. Küstenbrück / EGO-Promotion
Weitere Informationen unter www.lexware-mountainbike-team.de