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Team Lexware beim Mountainbike-Weltcup Nove Mesto (Tschechien) - Nina Benz überzeugt im Weltcup mit einem Top-Ten-Ergebnis

Nove  Mesto hat sich in den vergangenen Jahren in der Welt des Sports mit  Biathlon- und Mountainbike-Weltcupveranstaltungen einen Namen gemacht.  Im Winter schreien mehr als 25.000 Zuschauer im größten Biathlon-Stadion  der Welt die Sportler nach vorn, im Sommer sind es zwar ein paar Fans  weniger, gleichwohl ist das tschechische "Neustadt" im  Mountainbike-Weltcup seit 2011 eine feste Größe und organisiert ein  stimmungsvolles Sportevent. Der richtige Rahmen für eine Topleistung:  Die ist Nina Benz vom Lexware Mountainbike Team mit dem zehnten Platz im  Cross-Country-Rennen gelungen. Es ist ihre erste Top-Ten-Platzierung im  Weltcup und ein Statement mit Blick auf die Nominierung für die  Olympischen Spiele in Paris, wo nur eine deutsche Mountainbikerin  starten darf. "Top Ten im Weltcup, das ist genial, das bedeutet mir  richtig viel", sagt die 25-Jährige. Im Rennen der Männer gelang David  List mit dem 15. Platz ebenfalls ein Spitzenergebnis auf höchstem  internationalen Niveau. Das zweite Top-Ten-Resultat für das Lexware-Team  erkämpfte Lennart Krayer mit Rang sieben im Cross-Country-Rennen der  U-23-Männer.

Short Track U23: "Das Rennen war super stressig, weil es so schnell war"
Die  Short-Track-Strecke in Nove Mesto am Südrand der Saarer Berge ist ein  Hochgeschwindigkeits-Parcours. Technische Schwierigkeiten fehlen, es  geht moderat hoch und runter, mal um Kurven, mal geradeaus. Ja, auch  zwei, drei Sprünge sind drin. Dennoch: Wenn die aktuell 40 Besten - egal  ob Elite oder U23 - gemeinsam in die Pedale treten, kann es sich  anschließend so anhören: "Der Short Track war von Anfang an super  stressig, weil das Rennen so schnell war und alle zusammen waren. Erst  gegen Ende wurde selektiert, als es langsamer wurde", sagt Lennart  Krayer vom Lexware Team, der das Short Race in der Klasse U23 als 18.  beendete und zumindest heil aus der Sache herauskam. Bei Teamkollege  Paul Schehl war das nicht der Fall: "Ich hatte einen ziemlich uncoolen  Sturz", erzählt der 19-Jährige, der das U-23-Feld zuvor sogar kurzzeitig  angeführt hatte. "Als es in eine BMX-Sektion reinging, haben sich zwei  Fahrer vor mir verkeilt und sind gestürzt. Ich hatte keinen Platz zum  Ausweichen und bin auch gestürzt". Anschließend tat ihm alles weh, Paul  Schehl gab das Rennen auf. Die Beschwerden waren so stark, dass er tags  darauf im Cross-Country-Rennen nicht starten konnte.

Ähnlich erging es Carla Hahn vom Team Lexware im Short-Track-Rennen der  U-23-Frauen. "Ich war auf Position drei oder vier, plötzlich sind die  von links nach rechts gefahren und die von rechts nach links", sagt die  18-jährige Vize-Europameisterin, "und ich war in der Mitte. Ich konnte  nicht viel machen und habe mich an einem Hinterrad aufgehängt".  Massensturz. Als sie wieder aufstehen konnte - einige Fahrerinnen lagen  auf ihr drauf - musste sie erst einmal ihr Bike suchen, "denn es lag  nicht in meiner Nähe". Unfallaufnahme, nachdem sie es gefunden hatte:  Vorderrad platt, Sattel schief, Schaltung defekt, Bremsscheiben  verbogen, Bremshebel gebrochen. "Es hat nichts mehr funktioniert", sagt  Carla Hahn, die Sturzfolgen an ihr waren ebenfalls gravierend: offenes  Knie, offene Hände und Schürfwunden an Schulter und Hüfte. Sie musste  das Short Race der U-23-Frauen in Runde eins aufgeben, ebenso das  Cross-Country-Rennen einen Tag später aufgrund von Kniebeschwerden.

Short Track U23: "Ich habe mir gesagt, jetzt geht das Rennen von vorne los"
"Ich war am  Anfang ziemlich gut dabei und habe mich auch gut gefühlt", erzählt  Lexware-Teamkollegin Sina van Thiel, "dann war da vor mir dieser Sturz.  Ich weiß nicht, wer da alles gestürzt ist. Ich konnte gerade noch  bremsen".  Weiterfahren konnte sie jedoch erst, als sich das Sturzknäuel  aufgelöst hatte. "Ich war okay und mein Bike war das auch, deshalb habe  ich mir gesagt: Jetzt geht das Rennen noch einmal von vorne los." Mit  dem zwölften Platz bei der U23 ist Sina van Thiel "zufrieden", wichtiger  war für sie nach einem bisher holprigen Saisonverlauf jedoch die  Erkenntnis: "Ich habe mich in dieser Saison noch nie so gut gefühlt wie  in diesem Rennen."

Antonia  Weeger war anfangs ebenfalls weit vorne zu finden. "Ich habe mich krass  auf dieses Short-Track-Rennen gefreut, weil ich gut drauf bin. Dann hat  sich eine nach der anderen vor mir hingelegt und ich bin auf sie drauf  gefallen, weil ich nicht mehr ausweichen konnte", erzählt die  19-Jährige. Bis sie wieder in Schwung kam, dauerte es eine Weile, "weil  die Schaltung nicht mehr funktioniert hat und ich einen Hebel entklemmen  musste". Nach dem Sturz war nichts mehr wie zuvor: "Das Rad hat nicht  mehr richtig funktioniert. Irgendwie ging gar nichts mehr", klagt  Antonia Weeger, "es hätte gut werden können, weil meine Beine gut waren.  Aber es lief einfach nicht." Rang 38 ist für sie eine herbe  Enttäuschung.

Short Track Elite: "Vom Gefühl her, hatte ich noch mehr im Tank"
"Es war ein  extrem schnelles Short-Track-Rennen, wir sind einen 32er-Schnitt  gefahren", sagt David List, "die Strecke ist extrem unselektiv. Weil  alle zusammen gefahren sind, war es extrem schwierig, seine Position zu  verbessern. Es war einfach kein Platz da". Im Short Track der Männer  konnte der Student aus Freiburg gegen Ende noch auf den 18. Platz  vorfahren. "Vom Gefühl her, hatte ich etwas mehr im Tank, aber die  Rennumstände haben nicht mehr zugelassen."

"Richtig happy" war Nina Benz nach Rang 19 bei den Frauen, "weil es das  erste Mal war, dass ich mich in einem Short Track so gut gefühlt habe.  Ich wusste, dass dieser Tag irgendwann kommen wird". Ihr Ziel war, unter  die ersten 24 zu kommen, um sich für das Cross-Country-Rennen einen  Startplatz in den ersten drei Reihen zu sichern. Das hat sie mit einer  überzeugenden Leistung geschafft. "Ich konnte im Feld mitschwimmen, das  war ein richtig gutes Gefühl", sagt die 25-Jährige, die sich zunächst  nicht um Platzierungen und noch zu fahrende Runden scherte: "Es ist gut,  im Short Track nur im Moment zu sein." Sie absolvierte dieses Rennen  auf ihre Art, blickte erstmals auf als "2 laps to go" aufleuchtete. In  der letzten Runde konnte sie bergauf das Tempo der Besten nicht mehr  ganz mitgehen, "es hat nicht viel gefehlt, um noch weiter nach vorne zu  kommen".

Auf der offiziellen Ergebnisliste des Weltverbands UCI steht rechts oben  in der Ecke: Cross-Country Short Track. Der Short-Track-Kurs in Nove  Mesto wird dieser Bezeichnung nicht gerecht, Cross-Country fehlt völlig.  Wo doch die Lösung so nahe liegt, wie Cross-Country-Rennen zeigt.

Cross-Country Elite: "Ich war sowas von im Tunnel, das hat einfach Bock gemacht"
Was dem  Short-Track-Kurs fehlt, das hat die Cross-Country-Strecke in Nove Mesto  zuhauf: technische Schwierigkeiten in Form von selektiven, extrem  steilen Anstiegen und Abfahrten durchsetzt mit fiesen Wurzeln sowie  tückische Steinpassagen. Für Nina Benz hat sich auf diesem fordernden  Kurs der Kreis geschlossen. Vor zwei Jahren fuhr sie in Tschechien mit  dem 14. Platz ihr bis dahin bestes Weltcup-Ergebnis ein. Was folgte, war  weniger erfreulich: Corona-Infektion, Bruch des Sprunggelenks, "es  waren zwei schwierige Jahre", sagt sie. Dass sie wieder gut in Form ist,  hat sich bei den ersten Rennen angedeutet. Mit dieser Gewissheit und  neuem Selbstvertrauen ging sie in das Weltcuprennen in Nove Mesto. "Die  Ausgangssituation war mit der dritten Startreihe so geil, das hatte ich  noch nie." Getragen von der positiven Energie aus dem Short Track ist  sie schon in der Startloop zur Spitzengruppe aufgefahren. Mit der  Italienerin Martina Berta lieferte sie sich lange ein Jo-Jo-Duell:  "Einmal war sie vorne, einmal war ich vorne."  Über die gesamte  Renndauer lag die Wahl-Freiburgerin unter den Besten, Rang zehn ist  deshalb hochverdient. "Ich war schon am Limit unterwegs", gesteht Nina  Benz, "ich war sowas von im Tunnel, das hat einfach Bock gemacht." In  den letzten beiden Runden war Kampfgeist gefragt, sie hat sich  durchgebissen. "Ich bin dem Team um mich herum so dankbar. Sie haben  mich immer unterstützt und an mich geglaubt", sagt sie, "ich bin froh,  dass ich jetzt wieder den Anschluss an die Weltspitze geschafft habe".

"Der Nove-Mesto-Bann ist gebrochen", frohlockt auch David List, dreimal sei es für ihn beim Weltcup in Tschechien nicht gut  gelaufen. Dieses Mal schon: Mit Rang 15 hat er seinen 14. Platz vom  zweiten Weltcup in Brasilien bestätigt. "Es war 'ne hart Nummer, ich  habe schon alles rausgepresst", sagt der 24-Jährige. Lange war er in  einer Gruppe unterwegs, in der sich auch der Münstertäler Julian Schelb  befand. "Ich habe mehrmals versucht, die Gruppe zu sprengen", sagt List,  ohne Erfolg. Am vorletzten Anstieg ging es dann zur Sache: David List  musste Julian Schelb und einen weiteren Konkurrenten ziehen lassen -  "ich hab da extrem gelitten" -  und im Zielsprint schob sich der  italienische Europameister Simone Avondetto noch um eine Reifenstärke  vor List.  Zwischen ihm auf Rang 15 und dem Zehnten liegen nur zehn  Sekunden. "Es ist schon cool zu sehen, dass man so nah an den Top Ten  dran ist", sagt er, der Kampf um das zweite Olympia-Ticket sei nach wie  vor offen.

Es sind im Moment die kleinen, nervenden Dinge, die Max Brandl immer mal  wieder zurückwerfen. Hier mal ein Platten, dort mal ein Schleicher. In  Nove Mesto ist ihm in der zweiten Runde die Kette vom Blatt  runtergefallen. Anhalten, wieder draufmachen. "Hat locker 20 Sekunden  gekostet", sagt er. Etliche Konkurrenten zogen vorbei. Die  Geländegewinne, die er in der hektischen Startphase ("wäre zweimal fast  gestürzt") gemacht hatte, waren dahin. Statt um Position 30 herum, lag  er irgendwo zwischen 44 und 50. Erneut begann der zähe Kampf nach vorne.  "Bei 3 Runden to go hatte ich einen Hänger", sagt Brandl, doch er fing  sich wieder. "Es ging dann weiter vorwärts, weil ich bergab sehr gut  gefahren bin und am Berg war ich nicht wirklich langsamer", erzählt er.  In der Schlussphase schnappte er sich noch den 25. Platz. "Da mache ich  jetzt keine Luftsprünge", sagt Brandl, "das ist aber ein solides  Ergebnis, mit dem ich zufrieden bin".

Cross-Country U23: "Meine Augen und meine Reaktion waren noch nicht so schnell, wie ich gefahren bin"
"Es war ein  sehr hartes Rennen auf einer sehr harten Strecke", sagt Lennart Krayer nachdem er als Siebter das Ziel im U-23-Rennen erreicht hat.  "Die Wurzeln wurden immer rutschiger, weil immer mehr Dreck daran  hängen blieb." Zudem kämpfte er mit dem Lockout seiner Federgabel,  konnte sie nicht verriegeln, "nicht mehr hart machen", sagt er. "Das hat  mich an den Anstiegen Energie gekostet und ich konnte auch nicht alles  fahren." Die ersten fünf waren sein Ziel, viel hat nicht gefehlt bei  "brutalen Bedingungen".

Teamkollege Benjamin Krüger hatte bei der U23 einen guten Start erwischt  und sich von 65 auf 35 verbessert. Ein Schleicher am Hinterrad in der  ersten Runde bremste seine Aufholjagd. Der 20-Jährige musste das Laufrad  wechseln, "dadurch bin ich von 35 auf 50 zurückgefallen". Mit "solider  Pace" machte er anschließend Platz um Platz wieder gut und wurde 34.   "Hört sich gut an, wenn man aber die Umstände kennt, ist das Ergebnis  bitter."

Sina van Thiel fand gut ins Cross-Country-Rennen der U-23-Frauen - bis,  ja bis ihr das Vorderrad wegrutschte und sich der Lenker verdrehte.  Unsanfter Abgang. "Anschließend hatte ich Schwierigkeiten, mich zu  konzentrieren." Die Folge: ein weiterer Sturz, der sie im Klassement  weiter zurückwarf. Beim Sturz ist es mir in den Rücken gefahren, der hat  dann ganz zugemacht, weil ich zuvor schon Rückenprobleme hatte", sagt  die 21-Jährige und schildert eine kuriose Beobachtung: "Meine Augen und  meine Reaktion waren noch nicht so schnell, wie ich gefahren bin. Ich  habe die Wurzeln zwar gesehen, ich habe aber zu langsam reagiert und bin  einfach drauf zugefahren." Nach Rang 16 im Feld der weltbesten  U-23-Mountainbikerinnen stellt sie dennoch zufrieden fest: "Ich kann  meine  Leistung wieder abrufen."

Antonia Weeger kämpfte ebenfalls mit den schwierigen Bedingungen. Nach  gutem Start und einer Position unter den ersten 20 blieb sie an einem  Baum hängen, der Bodenkontakt war unvermeidbar. "Der Sturz hat mir ein  paar Kräfte gezogen", sagt sie nach Rang 29, "zufrieden bin ich damit  nicht".

Das nächste Highlight:
Deutsche Meisterschaft in Obergessertshausen, Freitag, 7. Juni: 18 Uhr  Short-Track-Finale der Frauen; 18.45 Uhr Short-Track-Finale der Männer;  Sonntag, 9. Juni: 9.30 Uhr Cross-Country-Rennen der Junioren; 11 Uhr  Cross-Country-Rennen der Männer U23; 13.30 Uhr Cross-Country-Rennen der  Frauen Elite, 13.32 Uhr starten die Frauen U23, 13.34 Uhr die  Juniorinnen; 15.30 Uhr Cross-Country-Rennen der Männer Elite.

Fotos: (c) Armin M. Küstenbrück / EGO-Promotion

Weitere Informationen unter www.lexware-mountainbike-team.de

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